Waschbären – eine eingeschleppte Plage?

Von der gebietsfremden zur heimischen Tierart – kaum ein Säugetier hat sich so erfolgreich auf einem anderen Kontinent etabliert wie der Waschbär. Doch was auf den ersten Blick als Bereicherung für die europäische Artenvielfalt missverstanden wird, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem großen Problem entwickelt – denn mangels natürlicher Feinde beginnt der Waschbär zunehmend, heimische Tierarten zu verdrängen. Jäger, Förster und Naturschützer schlagen Alarm; und auch Hobbygärtner sind von dem pelzigen Einwanderer alles andere als begeistert.

Wie kam der Waschbär nach Europa?

Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde aufgrund seines dichten Fells, das in der Pelzzucht sehr beliebt war, nach Europa eingeführt. Ein Großteil der heute in Deutschland freilebenden Waschbären – schätzungsweise 500.000 Tiere – geht auf Exemplare zurück, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus ihren Zuchtgehegen entkommen sind. Zusätzlich wurden 1934 zwei Waschbärenpaare am hessischen Edersee ausgesetzt, um einen gezielten Ansiedlungsversuch zu starten – ein schwerwiegender Fehler, wie sich heute zeigt.

 

Warum stellt der Waschbär so eine große Bedrohung dar?

In Deutschland gibt es keine größeren Raubtiere – demzufolge hat der Waschbär hierzulande keine natürlichen Feinde. Zusammen mit dem günstigen Klima und dem reichen Nahrungsangebot sorgt dieser Umstand für ideale Lebensbedingungen. Das hat zur Folge, dass der Waschbär mittlerweile sogar bis in die Großstädte vorgedrungen ist. Als nachtaktiver Allesfresser macht er sich mit Vorliebe über Vogelnester her und dezimiert so die Bestände vieler heimischer Vogelarten. Auch Fledermäuse und die ohnehin schon vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte sind durch den Waschbären akut gefährdet.

 

Steht der Waschbär unter Arten- oder Naturschutz?

Der Waschbär steht nicht unter Naturschutz, sondern fällt sogar unter das Jagdrecht. Außerhalb der jährlichen Schonzeiten – die jedes Bundesland individuell bestimmt – dürfen Waschbären gezielt bejagt und getötet werden. Doch wer glaubt, das sei die ideale Lösung für die stetig wachsenden Bestände, irrt sich – denn der Waschbär ist nahezu unmöglich auszurotten. Die Tiere reagieren auf Bedrohungslagen nämlich mit einer erhöhten Fortpflanzung. Bedeutet: Je mehr Waschbären getötet werden, umso mehr Junge kommen nach. Dadurch werden die Verluste nicht nur ausgeglichen, sondern möglicherweise sogar übertroffen.

 

Kann der Waschbär auch für den Menschen gefährlich werden?

Waschbären gelten in der Regel als harmlos, können aber zu einer lästigen Plage werden – insbesondere dann, wenn sie sich ein bewohntes Haus als Unterschlupf auserkoren haben. Über Dachrinnen und Häuserecken, aber auch über Bäume und lange Äste gelangen sie ins Gebäudeinnere und machen es sich auf dem Dachboden gemütlich. Die Gefahr: Es ist nicht unbedingt eine undichte Stelle oder ein Riss im Mauerwerk erforderlich, um dem Waschbären einen Weg nach innen zu ermöglichen – mitunter werden einfach Dachziegel oder das dünne Blech einer Dachgaube hochgeklappt. Wird das nicht rechtzeitig bemerkt, können kostspielige Wasserschäden die Folge sein. Doch nicht nur das: Schon ein einzelner Waschbär kann gravierende Schäden von mehreren tausend Euro verursachen – wie etwa durch die Zerstörung der Dämmung oder das Ausscheiden von Kot und Urin.

 

Wie verhindere ich, dass sich ein Waschbär bei mir einquartiert?

Zum Schutz vor Waschbären gilt eine einfache Faustregel: Was für ihn nicht erreichbar ist, kann auch nicht verwüstet werden. Da der Waschbär ein guter Kletterer ist, sollten Sie Ihr Zuhause genau inspizieren und gezielt nach Schwachstellen suchen. Bei Regenrinnen eignet sich zum Beispiel eine Metallplatte als Kletterstopp. Bei nahen Bäumen sollten Sie nach Möglichkeit die angrenzenden Äste einkürzen, sodass mindestens ein Meter Abstand zu Dach und Fassade gegeben ist. Selbstverständlich können Sie auch dafür sorgen, dass der Waschbär den Baum gar nicht erst erklimmen kann – wie etwa durch eine Plastik- oder Metallmanschette mit einer Länge von mindestens 60 Zentimetern. Diese sollte möglichst weit unten am Baumstamm angebracht werden, um zu verhindern, dass der Waschbär die nächsten Äste erreicht – aber auch nicht zu niedrig, damit er die Manschette nicht einfach überspringen kann. Um den putzigen Plagegeist gar nicht erst anzulocken, sollten Sie zudem auf verschließbare Mülltonnen zurückgreifen und davon absehen, Essensreste auf dem Komposthausen zu entsorgen. Wenn Sie der Meinung sind, dass ein Waschbär Sie womöglich besucht, nehmen Sie gerne jederzeit Kontakt mit uns auf!

Bildquelle: Adobe Stock – jon_chica

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