Marmorierte Baumwanzen: Warum sie so gefährlich sind

Die auch als Stinkwanzen bezeichneten Marmorierten Baumwanzen sind eine invasive Art, die sich auch in Deutschland immer stärker ausbreitet. Während sie für den Menschen eher ein Lästling ist, der sich zum Überwintern im Gebäudeinneren einquartiert, ist sie für den Gartenanbau und die Landwirtschaft ein großes Schädlingsproblem.

Woher stammt die Marmorierte Baumwanze?

Die Wanze stammt ursprünglich aus Ost-Asien und gelangte um das Jahr 2000 über Warentransporte nach Europa. Mittlerweile haben sich die Tiere fast weltweit ausgebreitet und nehmen auch in Deutschland stark zu. Hierzulande ist die Marmorierte Baumwanze vor allem im Südwesten, in und um Berlin sowie in der Region nördlich von Köln besonders stark verbreitet.

Wie kann man die Insekten von den einheimischen grauen Feldwanzen unterscheiden?

Die Marmorierte Baumwanze sieht den bei uns einheimischen Wanzenarten sehr ähnlich, besonders der grauen Feldwanze. Einige Unterscheidungsmerkmale gibt es aber dennoch:

 Tipps zur Unterscheidung zwischen beiden Wanzenarten
Graue Feldwanze

 

Unterhalb des Halsschildes:

diffuse Musterung

 

Im klaren Teil der Flügel: schwarze Punkte

 

Körperunterseite: langgestreckter Fortsatz zwischen den Beinen

 

Marmorierte Baumwanze

 

Unterhalb des Halsschildes: fünf helle Punkte

 

Im klaren Teil der Flügel: schwarze Streifen

 

Körperunterseite: kein Fortsatz zwischen den Beinen

 

Keine natürlichen Fressfeinde und sehr vermehrungsfreudig

 Die Marmorierte Baumwanze ist äußerst mobil und vermehrt sich unter warmen Witterungsbedingungen besonders gut. Dann sind bis zu zwei Generationen pro Jahr möglich. Das Weibchen legt im Durchschnitt rund 200 Eier, es können bei positiven Bedingungen auch bis zu 450 Eier sein.

Hinzukommt, dass die knapp zwei cm große Wanze in Deutschland keine natürlichen Feinde hat und daher auch nicht an der Ausbreitung gehindert wird.

Die erwachsenen Wanzen überwintern wie andere Wanzenarten in geschützten Bereichen, z.B. in Häusern, hinter gedämmten Fassaden, Gartenlauben, Garagen usw. Für den Menschen sind die Wanzen nicht gefährlich. Das Sekret, das sie bei Bedrohung versprühen, ist nicht giftig, sondern besitzt lediglich einen unangenehmen Geruch.

Welchen Schaden richten Stinkwanzen an?

 Die Marmorierte Baumwanze ist ein gefürchteter Schädling im Obst- und Gemüseanbau, wobei die Tiere wenig wählerisch bei der Pflanzenwahl sind. Weltweit sind über 300 Wirtspflanzen für diese Wanzenart nachgewiesen. Betroffen sind hauptsächlich Obstkulturen, aber auch Gemüse, Zierbäume und Ziersträucher werden gern von der Wanze belagert. So werden z.B. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche oder Trauben ebenso befallen wie Paprika, Tomaten, Gurken oder Bohnen. Bei den Zierpflanzen sind z.B. Sommerflieder, Geißblatt und Rosen betroffen.

Mit ihren nadelartigen Mundwerkzeugen saugt die Wanze am Pflanzengewebe und sondert dabei ein Enzym ab. Durch dieses Enzym bekommen die Früchte Flecken, harte Stellen oder das Gewebe stirbt komplett ab. Derart deformierte Früchte lassen sich nicht mehr verkaufen.

Was kann man gegen die Marmorierte Baumwanze tun?

Wer bei sich im Garten einen starken Befall der Insekten feststellt, sollte die Wanzen und deren Nymphen (die Larvenstadien des Tieres) absammeln. Achten Sie dabei auch auf die Blattunterseite – denn hier finden sich neben den Tieren auch die Eigelege der Baumwanze, erkennbar an der hellgrünen Farbe.

Pflanzenschutzmittel sind gegen den Schädling in Deutschland bisher nicht zugelassen. Andere chemische Mittel sind meist wirkungslos und haben zudem den Nachteil, Nützlinge zu töten.

In der Landwirtschaft ist die Bekämpfung der Marmorierten Baumwanze jedoch problematisch. Die wenigen mit Ausnahmegenehmigung zugelassenen alternativen Mittel haben eine Breitenwirkung, durch die auch viele Nützlinge betroffen sind, was wiederum das biologische Gleichgewicht stört. Ein weiteres Problem ist die Pflanzenvielfalt auf dem Speiseplan der Marmorierten Baumwanze, denn dadurch verbreitet sich der Schädling auch außerhalb der landwirtschaftlichen Flächen fleißig und gelangt immer wieder auf die Nutzflächen.

Ein kleiner Nützling könnte die Lösung sein

Forscher untersuchen derzeit, inwieweit ein natürlicher Gegenspieler gegen die Wanze eingesetzt werden kann – die Samuraiwespe. Sie stammt ebenfalls aus Ostasien und gehört zu den Schlupfwespen. Die winzigen Tiere legen ihre Eier in den Eiern der Wanzen ab, sodass ihre Larven die Wanzenlarven fressen.

In Süd-Tirol läuft derzeit ein Projekt, um die Auswirkungen der Wespe zu beobachten. Wenn es die Wespe schaffen würde, die Marmorierte Baumwanze auf ein niedriges Ausbreitungsniveau zu drücken, wäre das schon ein großer Erfolg, denn komplett verschwinden wird die Baumwanze nicht wieder.

Bildquelle: Adobe Stock – Comugnero Silvana

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